Verändern wir die Welt

Verändern wir die Welt Heute war ich als Experte im Landtagsausschuss zum Thema „Jugend und Umgang mit Web 2.0-Techniken" geladen. Grund war ein Antrag. Hier meine Ideen und Denkanstöße: Eine aktuelle Studie zeigt, dass defacto jeder Jugendliche im Alter zwischen 14 – 19 Jahre Social Networks wie Facebook etc. nutzt. Je jünger die Jugendlichen desto eher nutzen sie ein Social Network-Portal. Generell sind die Männer sind leicht in der Überzahl. Oder wäre Facebook ein Land, dann wäre es aktuell das 4. größte der Welt nach China, Indien und USA. Sind doch imposante Zahlen, oder?
Medienpädagogen meinen dazu, dass dadurch die Beziehungen untereinander zwar unverbindlicher werden, aber die Menschen rücken näher aneinander. So werden (zeitlich und räumliche Entfernungen leichter überbrückt. Es wird nicht anstatt, sondern zusätzlich kommuniziert! Also die Kommunikation verlagert sich nicht ins Internet, sondern nur ergänzt. Öffentlichkeiten im Internet sind keineswegs schlicht Zeugnisse von sozialer Isolierung oder Zersplitterung sind - sondern dass gerade in den Sozialen Netzen vielmehr Orte von Vergemeinschaftung und intensive soziale Kontakte entstehen. Also es wird sogar intensiver und enger kommuniziert als dort, wo das Netz nicht genutzt wird. Gerade für jungen Mädchen und Burschen verschmilzt das „reallife“ mit „web“. Dem iPhone sei dank! So wird etwa statt gestritten, der „unfriend“-button gedrückt. Übrigens dieser Begriff wurde gerade in das Oxford-Dictonary aufgenommen.

Was heißt das für uns?
Erstmalig in der Geschichte der Menschheit erleben wir eine Situation, in der Eltern, Lehrkräfte, Entscheider und gesellschaftliche Vorbilder in ihrer Rolle als Vermittler von Wissen und Orientierung versagen. Also die Wege die uns aus der Vergangenheit ins Heute geführt haben, sind nicht mehr gangbar. War es früher üblich, dass Ältere ihr Wissen, ihre Erfahrung, ihre Werte an Jüngere weitergaben. So funktioniert das in Fragen der Medienkompetenz nicht mehr. Plötzlich erklären Gymnasiasten ihren Lehrern, wie soziale Netzwerke funktionieren. Plötzlich erklären Studenten ihren Professoren, wie sie mit Hilfe von RSS ihre ganz individuelle, von überall abrufbare Zeitung zusammenstellen. Plötzlich besetzen Studierende eine Uni, schaffen modernste Kommunikationsstruktur, organisieren sich sogar international und „halten“ Stellung. Und plötzlich leiten 25-Jährige wie Mark Zuckerberg ein milliardenschweres Unternehmen, dass das Leben und die Kommunikation von hunderten Millionen Menschen in einer Form verändert, wie es schon lange keiner Firma mehr gelungen ist. Ein moderner Ansatz wäre, dass aus Schülern Lehrer werden und aus Lehrern werden Schüler. Also Schule andersrum!

Was wäre noch zu tun: Man sollte in die „Hardware“ investieren, wie etwa eine neue Schulbuchaktion (OLC) und den Menschen „barrierefreien“ (=gratis und schnell) Zugang zum Internet gewähren. Die Medienkompetenz aller Bürger gefördert werden. Durch ein frühzeitiges heranführen von Kindern und Jugendlichen an das Internet und „Einbau“ der neuen Kulturtechniken in Schule und Kindergärten. Damit würden gerade junge Menschen höhere Kompetenz im Umgang mit digitalen Daten und einen verantwortungsvollen Umgang damit lernen. Wie wäre es mit einem Schulfach „Medienkunde“? Als Grundlage dafür kann das hervorragende Chart „11 Formen der Medienpartiziaption“ von Prof. Henry Jenkins vom MIT dienen. Die Realität sieht aber leider anders aus!