Land der Prügler! Land der Diebe!

Land der Prügler! Land der Diebe! Heute präsentierte das Innenministerium die Kriminalstatistik für das abgelaufene Jahr. Auffällig ist ein enormer Anstieg bei Jugendstraftaten. Alle Bundesländer (Ausnahme Wien) weisen einen Zuwachs von über 20% an Straftaten aus. Nur in der Bundeshauptstadt sind die Anzeigen gegen Jugendliche rückläufig. Zwar nur um 0,1%, aber trotzdem. Erklärungsversuche gibt es viele: Die Computerspiele (natürlich die Ego-Shooter), die Jugendlichen stehlen mehr Statussymbole, die Ausländer…
Und so schwappt eine Debatte aus Deutschland zu uns nach Österreich. Jugendkriminalität ist sicher kein Ausländerthema, sondern ein „Unterschichtenthema“. Wenn ein türkischstämmiger Jugendlicher zur Hauptschule geht und ohne einen prügelnden Vater aufwachse, wird sein Gewaltpotential nicht größer als das eines österreichischen Jugendlichen unter vergleichbaren Verhältnissen sein, oder. Mit einer besseren Bildung der Jugendlichen geht wahrscheinlich die Zahl der Gewalt- und Intensivtäter unter diesen jungen Leuten zurück,

Zurück zur Statistik:
Zwar steigen die Straftaten von Mädchen und Burschen seit Anfang des Jahrtausends kontinuierlich an, aber dieser erstaunliche Sprung in acht von neun Bundesländern überrascht mich trotzdem. Die Erklärung wirklicher Experten würde mich interessieren. Was macht Wien anders (oder besser)? Die üblichen Experten sind ratlos, ob der Anstieg der Anzeigen mehr Kriminalität bedeutet oder ob nicht nur schneller angezeigt werde als früher. Ich warte gespannt ob es eine ehrliche Diskussion über die Wurzeln und Ursachen geben wird. Auch wenn ich da nicht sehr zuversichtlich bin!

Was aber dagegen tun?
Vorbeugen:
Jugendliche müssen das Gefühl haben, von der Gesellschaft gebraucht und akzeptiert zu werden. Wir müssen endlich auf ihre Bedürfnisse eingehen. Ehrlichkeit, Authentizität und Respekt sind die Währungen der Zukunft.

Hinsehen:
Nach so einem Jahr heisst es wohl, nicht romantisch die Augen (vor den Problemen) verschliessen, sondern alle Kräfte (Jugendarbeit, Polizei und Schule) bündeln. Nicht reflexartig in „alte“ Denkmuster (Linke wie Rechte) verfallen, sondern Zeit und Geld (vor allem Zeit) in zeitgemässe Lösungen investieren. Bootcamps sind keine Lösung!

Eingreifen:
Es darf keine rechtsfreien Räume geben. Jeder hat das Recht sich bei jeder Tages- und Nachtzeit überall sicher und frei von Angst zu bewegen. So hat sich meiner Meinung nach das harte Vorgehen am Rudolfskai bewährt. Zwar lösen Verbote meist das Grundproblem nicht, aber warum sollen VIELE unter der Einschüchterung WENIGER leiden. Alle Formen von gewalttätigen Übergriffen (Hools, Punks, Gangs etc.) sind unter keinen Umständen zu akzeptieren. Es darf demnach keine Verharmlosung und „Entkriminalisierung“ von Straftaten geben, sie müssten vielmehr konsequent mit angemessenen Sanktionen geahndet werden. Eine etwaige Strafe muss für Täter (jung wie alt) auf dem Fuß folgen und spürbar sein.